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| Johan Nepomuk Nestroy |
| Sprüche aus Stücken |
Das Eheband is das kürzeste an Raum, das längste in der Zeit.
Uneigennützige Liebe ist doch nur Egoismus in edlerer Form.
‘s Sitzenlassen is immer billiger als ‘s Heiraten.
Weshalb soll ich s’ denn heiraten, wenn es sich nicht rentiert? Der Eh’stand, wenn er kinderlos is, is um fünfzig Prozent kostspieliger als der ledige; kommt Familie, so steigt es auf hundert Prozent; Gali’ und Verdruß kann man auch auf etliche Prozent anschlagen; ergo mu« die Frau immer etwas mehr Vermögen haben als der Mann, sonst schaut für unsereinen eìn klares Defizit heraus.
Eher ein Lokomotiv aufhalten als ein’ jungen Beamten, der mit’n Anstellungsdekret in d’ Sakristei rennt, a Kopulation b’stell’n.
Und die merkwürdige Ironie, daß man die Neugeborenen in Korbe tegt, als ob man den Eltern vorrupfen wollt’, hattet’s ein’s dem andern einen Korb gegeben, so hättet’s die Sorg’ nicht auf’n Hals.
Vernunftheirat, richtig. Also gehn wir bin, ich mach’ gleich über Hals und Kopf eine Vernunftbeirat. Genial ist nur die Ledigkeit, Heirat ist Spießbürgerei. Die wällischen Madln, das ist schon a Pracht, A Deutsche dageg’n, das ist wie Tag und Nacht. Bis a Deutsche die Wort’ sagt: »Ich bin ewig dein«, Derweil kann m’r in Italien verheirat’t schon sein.
Sie nehmen die Sache vom Gesichtspunkt des Schäferstündlers, und da haben Sie’s höchst fälschlich als eine Sache zu zweien betrachtet. Bei Schaferstunden derart 15 durchaus ein dritter notwendig, der cm Schaf is. Ja, die Lieb’ — die Lieb’, das ist die Köchin, die am me’sten anrichtet in der Welt. Ist das nicht auch ein Malheur, wenn man um zwanzig Jahr’ zu spät Wittiber wird? Mein schönstes Mannesalter hat sie mir verxanthippiert. Die Lieb’ ist eine Nachtigall, und die Nachtigallen haben das, da1~ sie mm dunklen Laub des Verbotes viel reizender schlagen als auf der offnen, flachen Heerstrafe der Pflicht. 1N4 an mag sagen, was man will, es ist jetzt nicht mehr das Vergnügen auf’n Land, als wie ehemals. Es war eine Zeit, wo sich die Bauernbengeln eine Gnad’ draus g’macht haben, wenn man ihren Madln schön getan hat, und jetzt kennen sie die Eifersucht so gut, als wie die Liebhaber in der Stadt. O, verderbliche Aufklärung, du ruinierst uns die schönsten ländlichen Unterhaltungen. Bei Männern gibt’s keine Menschenkenntnis; denn wenn man s’ kennt, so lernt man s’ als Unmenschen kennen. Fehlerfreie Männer gibt’s nicht, also heißt’s entweder ledig bleiben oder einen nehmen mit die Fehler. Wenn ein Mann nebstbei ein bisserl ein’ Bart hat, so steht das männlich schön; wenn aber ein Bart nur nebstbei a bisserl ein’ Mann hat, so steht das gspaßig. E in braves Weib gibt ihren Mann noch nicht auf, selbst wenn s schon Schläg’ kriegt hat von ihm, und ich sollt’ von mein’m Liebhaber lassen, weil ich vielleicht einmal Schläg’ kriegen könnt’? Nein, das ist zu weit herg’holt. Wenn ein Mann nur brav ist und treu, alles andere macht nichts. Hat man unrecht, wenn man von die Männer was Böses denkt? Ja, einma1 vielleicht, aber neunundneunzigmal hat man recht.
Sekkieren muß man die Männer, beständig. Wasser halten muß man s’, wie man s’ nur a bisserl Luft schnappen laßt, wie sie sich nur ein wenig glücklich fühlen, da sind s’ gleich nix nutz.
Ich sag’s ja, der Unterschied, das ist nichts Klan’s, Wien und Asien is grad wie tausend und ans. Es is oft schwer, die Vaterschaft zu beweisen, wenn nicht Muttermaler vorhanden sind, aber für die Onkelschaft gibt’s gar keinen Beweis. Ich bin ein aufgeklarter Kerl, aber das geht über meine Begriff’. Federkauen, das ist die naturgemäße Nahrung für einen Schreiber, dann kann er sagen, daß er von der Feder lebt; und wenn er auch verhungert, macht nichts, es leben noch immer zu viele, die schreiben. ‘Wenn ich auch nichts von der Schriftstellerei weiß, von die Schriftsteller weiß ich desto mehr. Man braucht ihnen nur Lobeserbebungen und Schmeicheleien ums Maul zu streichen, so sagt jeder, »ah, der Mann versteht’s — tiefe Einsicht — gründliche Bildung.« Ich find’ nicht die gehörigen Worte, das heißt, ich findet s’, aber grad die g’hörigen taten sich nicht g’hören — mit einem Wort, der Mensch verfallt nach einigen Desperationsparoxysmen in eine ruhige Sarkasmus—Languissance, wo man über alles räsoniert und andererseits wieder alles akzeptabel find’t. ‘s Komödispiel’n is aber keine Kunst, es is eine reine Komödispielerei. Das haben sie schon in sich, die schönen Tage von Aranjuez, daß sie so schnell vorübergehn. Wenn ich nur die Dichter, die die Wiesen einen Blumenteppich, die den Rasen rasenderweise ein schwellendes grünes Sammetkissen nennen, wenn ich nur die a drei Stund lang barfuß herumlagen konnt’ in der so vielfältig und zugleich so einfältig angeverselten Landnatur, ich gebet was drum. Abonnenten sind nicht so leicht zu vertreiben. Es is zum Staunen, was ein guter Abonnent vertragt. Antiquar (Totengrabergeschaft der Literatur). Die Kunst ist ein G’schäft, und grad’ bei die großartigsten Geschäft’ is man meistens nicht gedeckt.
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