Titoli Definizione

Rudolf Alexander Schröder

Aphorismen


Als Adam und Eva vom Baume der Erkenntnis gegessen hatten, schämten sie sich ihrer Nacktheit und nahmen Feigenblatter vor. Die älteste, die tiefsinnigste, die bekannteste aller Geschichten und dabei die vergessenste. Denn wie viele Folianten bestehen aus nichts als — Feigenblattern eben dieser Feigenblatter!

Lüge, Lüge, Lüge, Lüge, Lüge, Luge. — Wer ein ganzes Buch voll nur dieses einen Wortes druckte, der hatte cm ganzes Buch voll Wahrheiten gedruckt.

Warum Märchen, d.h. echte Märchen, uns so unmittelbar anrühren? Weil sie das unmittelbare Hervortreten und Sichtbarwerden eines Inneren sind. Anders herum: alles was im Märchen geschieht, geschieht in dir selbst. Du bist zugleich der Schatz und der Riese, die schlafende Königstochter, die Dornenhecke und der Prinz, der sie durchschreitet.

Rascher denken als sie schreiben, ja rascher denken als sie nachdenken können, ist eine Plage aller klugen Leute.

Es ist ein leichter Sieg der Klugheit, wenn sie glaubt, daß im Allgemeinen Richtige durch das im Einzelnen Richtige zu widerlegen.

Der Zweifel ist die schöpferische Grundkraft des Witzes.

Alles System ist wie die Quadratur des Zirkels — im praktischen durchführbar, im geistigen undurchführbar.

Das Gleichnis trifft nur durch den Gegensatz.

Was ist Wahrheit? Der Ruhezustand der Wirklichkeit. Was ist Wirklichkeit? Ewige Unruhe.

Je subtiler, je futiler. — Merk dir’s, Dogmatiker!

Jede Weltanschauung muß, wo sie nicht ganz verworren sein soll, perspektivischen Gesetzen folgen. Im Vordergrunde stehe die Beobachtung, im Mitteigrunde die Erfahrung, im Hintergrunde Betrachtung und Gedanke. So wird Obersicht und Bezugnahme möglich sein.

Es gibt keinen Gedanken — kein Urteil — ohne Konkupiszenz. Jeder Gedanke hat seinen Eros.

Alles Nach-Denken ist Vor-Sorge. In dieser Vorstellung schon würde das Primat des Sittlichen beschlossen sein.

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