Stop #10a – Eine Landschaft im Aufbau zwischen Eis und Wasser

Sandur proglacial: Eine neue Landschaft entsteht dort, wo der Gletscher nicht mehr ist

Vor dem Forni-Gletscher erstreckt sich eine weitläufige proglaciale Ebene – eine junge Landschaft, die sich ständig verändert. Bis vor wenigen Jahrzehnten war diese Region von Eis bedeckt. Es war bis vor wenigen Jahrzehnten von Eis bedeckt. Diese Umgebung ist als Sandur bekannt, ein aus dem Isländischen stammender Begriff für flache Oberflächen, die durch fluvioglaziale Ablagerungen entstanden sind.

Sandurs entstehen, wenn Gletscherwasser Sand, Kies und Geröll mitführt, die sich ablagern, wenn die Strömung langsamer wird. Zusätzlich zu diesem Prozess tragen Erdrutsche und Schuttströme, die durch die Schwerkraft angetrieben werden, zur Gestaltung der Landschaft bei. Das Ergebnis ist eine große Fläche mit komplexen Ablagerungen, die von verzweigten Bächen durchzogen ist und deren Lage sich im Laufe der Zeit verändert.

Im Fall des Forni-Gletschers ist die Sandur in den letzten 20 Jahren deutlich sichtbar geworden, da sich der Gletscherrand zurückgezogen hat. Heute ist sie ein natürliches Labor, in dem die Interaktion zwischen Eis, Wasser und Sedimenten beobachtet werden kann und in dem sich die jüngste Geschichte des Gletschers „lesen” lässt.

Linguistische Neugierde:

Der aus der isländischen Sprache stammende Begriff „Sandur“ bedeutet wörtlich „Sand“ oder „Sandebene“. In Island sind diese Landschaften spektakulär und sehr weitläufig. Sie entstehen vor großen Gletschern, deren Schmelzwasser große Mengen an Sedimenten mit sich führt. Einige isländische Sandurs, wie der Skeiðarársandur, gehören zu den größten der Welt und erstrecken sich über Hunderte Quadratkilometer.

Geomorphologen haben den Begriff übernommen, um damit ähnliche Umgebungen in den Alpen zu beschreiben, beispielsweise die Landschaft vor dem Forni-Gletscher. Diese ist zwar kleiner, als Landschaft, die durch Eis, Wasser und Schwerkraft geformt wird, aber ebenso bedeutend.

Abb.1 : Die Sandur des Forni-Gletschers

Literaturhinweise für weitere Lektüre

Benn, D.I. & Evans, D.J.A. (2010). Glaciers and Glaciation. Routledge.

Knight, J. & Harrison, S. (2014). Mountain glaciation and geomorphology. Cambridge University Press.

Miall, A.D. (2006). The Geology of Fluvial Deposits. Springer.

Kostaschuk, R.A. (2001). Flow structure and sediment transport in sandur environments. Geomorphology, 38(1–2), 33–52.

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