An Punkt 2 des Weges befinden wir uns an einem Ort, der zwei wichtige Momente in der Geschichte des Forni-Gletschers erzählt: Der erste stammt aus dem Jahr 1810, als die Gletscherzunge in einer Vorstoßphase war und in den Karten des Katasters des lombardisch-venezianischen Königreichs dargestellt wurde; der zweite aus dem Jahr 1873, als der Geologe Antonio Stoppani einen bereits stark zurückgegangenen Gletscher beobachtete.
Im Jahr 1810, während der Katastervermessungen, reichte der Gletscher bis zu den Almen des Tals hinab, und seine Front befand sich direkt vor uns, in einer breiten und gewölbten Form. Das Schmelzwasser trat aus einem großen Gletschertor aus und verteilte sich über die Ebene, bevor es sich in die Schlucht ergoss. Einige Weiden, die heute verschwunden sind, wurden später vom Eis bedeckt.

Diese Ausdehnungsphase ist mit einer kälteren Klimaperiode verbunden, die als Dalton-Minimum (1790–1830) bekannt ist, während der auch große Vulkanausbrüche stattfanden, die die Atmosphäre zusätzlich abkühlten. Zwischen 1818 und 1822 bildeten viele Alpengletscher große Moränen, von denen einige noch heute sichtbar sind.
Antonio Stoppani, Geologe, Abt und großer Wissenschaftsvermittler des 19. Jahrhunderts, war einer der ersten Forscher, der die Alpengletscher aufmerksam beobachtete. Während seines ersten Besuchs am „Forno“-Gletscher im Jahr 1864 war er beeindruckt von der verlassenen Seitenmoräne und davon, dass er mehrere Meter hinabsteigen musste, um das Eis zu erreichen. Als er 1873 ins Tal zurückkehrte, fand er eine noch stärker veränderte Landschaft vor: Das Gletschertor war eingestürzt, die Gletscherfront hatte sich um über 180 Meter zurückgezogen, und das Eis war um etwa 27 Meter abgeschmolzen. Stoppani beschrieb präzise zwei Moränenbögen, die vom raschen Rückzug zeugten, und betonte, wie die außergewöhnliche Hitze des Sommers 1861 diesen Prozess beschleunigt hatte. Seine detaillierten und leidenschaftlichen Beobachtungen sind heute eine wertvolle Quelle zum Verständnis der Entwicklung des Forni-Gletschers und der Auswirkungen des Klimawandels im 19. Jahrhundert. Die von Stoppani beschriebene Landschaft unterscheidet sich stark von der heutigen: Damals war das Tal still, wurde nur von Hirten und Gelehrten besucht, ohne Hotels, Parkplätze oder Wasserbauten.
Kuriosität: Das Kataster und die Vermesser von 1810
Im Jahr 1810 kam ein Team von Vermessern nach Valfurva, um das Gebiet zu kartieren. Die Arbeiten begannen am 24. April und endeten am 31. August. Die Karten wurden von Hand auf großen Bögen gezeichnet und zeigten mit großer Genauigkeit Häuser, Wasserläufe, Straßen und auch die Gletscherzunge. Diese Karten sind wertvolle Zeugnisse zur heutigen Landschaft und Entwicklung des Gebiets von Valfurva.
Kuriosität: Die geheimnisvollen Fotos von Vismara
Angelo Vismara war ein Pionier der alpinen Fotografie. Seine zwischen 1865 und 1874 aufgenommenen Bilder gehören zu den frühesten visuellen Zeugnissen des Forni-Gletschers. Auf einem seiner bekanntesten Fotos ist deutlich das große Gletschertor zu erkennen, aus dem das Schmelzwasser austrat. Dieses Detail lässt vermuten, dass das Foto kurz vor 1873 aufgenommen wurde, dem Jahr, in dem Stoppani das eingestürzte Tor vorfand. Vismaras Bilder dokumentieren nicht nur das Aussehen des Gletschers, sondern bieten auch wertvolle topografische Hinweise, mit denen sich die Position der Gletscherfront abschätzen lässt. Einige Forscher vermuten, dass der Gletscher zwischen 1867 und 1873 leicht vorgestoßen ist – ein Umstand, der durch den Vergleich von Vismaras Fotos mit Karten jener Zeit und Stoppanis Beschreibungen sichtbar wird. Diese Fotografien schlagen eine Brücke zwischen Wissenschaft und Erinnerung und erzählen mit visueller Kraft vom Wandel der alpinen Landschaft.


