Die Felsen unter unseren Füßen weisen mindestens drei bemerkenswerte Merkmale auf:
1) Sie sind weitgehend frei von Vegetation oder Flechten, was eine besonders klare Sicht auf die geologische Oberfläche ermöglicht – ein Ergebnis des jüngsten Rückzugs der Gletscher, die sie einst bedeckten.
2) Farben und Strukturen: Diese wie bemalt wirkenden Gesteine zeigen rötliche und weiße Lagen, die oft stark gefaltet sind und eindrucksvolle Muster bilden. Es handelt sich um Glimmerschiefer und Gneise, durchsetzt mit quarz- und feldspatreichen Schichten (die weißen, gefalteten Lagen). Die rötlichen Farbtöne stammen von Lagen, die reich an heller und dunkler Glimmer sowie Chlorit sind – mit hohem Gehalt an Eisen (Fe) und Magnesium (Mg).
Diese Gesteine und Strukturen erzählen eine lange geologische Geschichte. Das Alter der ursprünglichen Sedimente ist weitgehend unbekannt, doch die erste Phase der Metamorphose und Deformation fand im Paläozoikum statt, wahrscheinlich im Devon (ca. 420–370 Mio. Jahre). Diese Phase ist mit den quarz- und feldspatreichen Lagen verbunden. Während der alpinen Gebirgsbildung (ca. 110–60 Mio. Jahre) erfuhren die Gesteine weitere Veränderungen, die heute meist nur unter dem Mikroskop sichtbar sind. In jüngerer Zeit, während der Hebung und Freilegung der Gesteine, entwickelten sich Bruchzonen, die heute die Bewegungen und Formen der alpinen Gipfel prägen.
3) Gletschertöpfe (Marmitte dei Giganti): Diese Formen entstehen durch Erosion von Gesteinsfragmenten, die von Wasser und Eis transportiert werden und Vertiefungen im Fels erzeugen. Bleiben Wasser- und Eisströme über längere Zeit konstant und sammeln sich Gesteinsfragmente in den Vertiefungen, kann die Erosion sehr effektiv sein – es entstehen Gletschertöpfe, die mehrere Meter tief sein können.
Die schematische Darstellung zeigt, wie durch die Zentrifugalbewegung des Wassers Gesteinsfragmente in der Lage sind, die Felsen unterhalb von Wasser- und Eisströmen auszuhöhlen.




