Energie aus dem Eis – Die Forni-Schleuse
Das Schmelzwasser der Gletscher ist eine wertvolle Ressource – nicht nur für Ökosysteme und die Landwirtschaft, sondern auch für die Erzeugung von Wasserkraft.
Alpine Wasserkraft
Wasser ist die wichtigste Quelle erneuerbarer Energie in Italien. Dank der zahlreichen Wasserkraftwerke im Land deckt sie etwa 16 % des nationalen Energiebedarfs. Aufgrund der reichlichen Niederschläge und der steilen Hänge konzentriert sich die Wasserkraftproduktion auf die Alpenregionen.
In den 1940er, 1950er und 1960er Jahren wurden große Staudämme gebaut, um die Energieproduktion zu regulieren und sie auf Zeiten hoher Nachfrage zu konzentrieren. Zusätzlich zu diesen Anlagen wurden im Laufe der Zeit, um die Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen zu verringern, kleinere Anlagen ohne Speicherkapazität entwickelt. Diese leiten einen Teil des Wassers aus den Bächen in eine Druckleitung, die zur Turbine führt und dort Energie erzeugt.
Die Forni-Schleuse
Die Forni-Schleuse, betrieben von A2A, sammelt das Schmelzwasser des gleichnamigen Gletschers und ist Teil eines komplexen Systems, das das Wasser der Bäche des oberen Veltlins sammelt und es zum Cancano-Staudamm leitet. Der Braulio-Kanal, in den Fels gehauen und insgesamt 42 km lang, ist ein Meisterwerk der Ingenieurskunst. Er verbindet die verschiedenen Täler des oberen Veltlins und ermöglicht es, das Schmelzwasser von Schnee und Eis zur Stromerzeugung im Kraftwerk Premadio zu nutzen – einem der bedeutendsten der Region.

Die Zukunft der Wasserkraft
Bisher stellte das Schmelzwasser der Gletscher einen Überschuss in der Wasserverfügbarkeit dar. Doch bald werden wir auf diesen wertvollen Beitrag verzichten müssen, der derzeit hilft, die minimale Wasserzufuhr in den Sommermonaten zu sichern. Laut Klimaszenarien werden Schneefälle immer seltener, und die Schneeschmelze wird früher einsetzen, was die Wasserverteilung im Jahresverlauf drastisch verändern wird.
Zudem wird es – in Ermangelung großer Batteriespeichersysteme – immer wichtiger, Pumpspeichersysteme zu installieren. Diese nutzen überschüssige Energie aus der Produktion erneuerbarer Quellen, um Wasser in hochgelegene Speicherbecken zu pumpen, wo es in Zeiten von Energieengpässen genutzt werden kann. Wird sich der Wasserkraftsektor diesen Herausforderungen anpassen können?
