Spuren des Ersten Weltkriegs tauchen aus dem Gletscher auf. Der Berg bewahrt alles und gibt es zurück.
In der Landschaft eingefrorene Geschichte
Haltepunkt 13b führt die Besucher durch eine hochalpine Landschaft, in der sich Natur und Geschichte miteinander verweben. Genau hier, zwischen dem Forni-Gletscher und der Punta San Matteo (3.678 m ü. M.), bewahrt das Gebirge die Erinnerung an die höchstgelegenen militärischen Auseinandersetzungen der europäischen Geschichte. Am 13. August und 3. September 1918 fanden hier die Schlachten am San Matteo zwischen dem Heer des österreichisch-ungarischen Kaiserreichs und dem Königreich Italien statt.
In diesem Gebiet haben sich die Zeugnisse des Krieges überraschend gut erhalten und geben Kriegsrelikte in einer der eindrucksvollsten Landschaften der Alpen preis.
Krieg in großer Höhe
Während des Ersten Weltkriegs wurde der Gipfel des San Matteo – zunächst als zu unzugänglich für eine dauerhafte Besetzung angesehen – 1917 von österreichisch-ungarischen Truppen eingenommen. Von dort aus konnte man strategische Übergänge und italienische Stellungen im Gavia- und Fornital überblicken.
Die italienischen Streitkräfte organisierten daraufhin einen komplexen Angriffsplan, der am 13. August 1918 von fünf Alpini-Kolonnen ausgeführt wurde, darunter eine unter der Führung von Unteroffizier Pietro Caimi aus Sondrio und eine weitere unter Leutnant Giovanni Battista Compagnoni aus Santa Caterina Valfurva. Nach der Eroberung wurde der Gipfelbereich durch die Wiederverwendung österreichisch-ungarischer Unterstände in den Gipfelspalten befestigt. Am 3. September 1918 erfolgte der österreichische Gegenangriff mit etwa 150 Kaiserschützen, der zur Rückeroberung des Gipfels führte. Dieses Gefecht und die anschließenden Bombardierungen durch das italienische Heer forderten auf beiden Seiten Opfer, darunter auch den Tod des Hauptmanns Arnaldo Berni aus Mantua.
Das Eis gibt die Erinnerung zurück
Mit dem fortschreitenden Rückzug des Gletschers infolge des Klimawandels treten immer neue Spuren des Krieges zutage. Alltagsgegenstände, Ausrüstungsreste, bauliche Elemente und Kriegsmaterialien tauchen nach über einem Jahrhundert aus Schnee und Eis wieder auf. Besonders die Überreste von Sprengstoffmaterial stellen zwar bedeutende historische Funde dar, können aber auch potenziell gefährlich sein. Bemerkenswert ist, dass 2004 – fast 90 Jahre nach Kriegsende – die Leichen von drei österreichisch-ungarischen Soldaten auf 3.400 m ü. M. gefunden wurden. Der Berg selbst erzählt mit seiner langsamen und stillen Veränderung, was längst vergessen war.
Diese Funde sind grundlegend, um das Alltagsleben der Soldaten in großer Höhe zu rekonstruieren, aber auch, um über die Beziehung zwischen Krieg und Umwelt sowie über die Auswirkungen des Konflikts auf die hochalpine Landschaft nachzudenken.


Abb. 1 und 2: Historische Aufnahmen aus dem Archiv Giuseppe Tuana Franguel
